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Karate in Zeiten von Corona

23. 03. 2020

Am 14. März 2020 hatten wir in unserem Dojo in Recklinghausen Sensei Julian Chees zu Gast.

Unsere Freude über seine Zusage Ende 2019 zu einem Besuch und die Durchführung eines Lehrganges bei uns war riesengroß. Schnell wurden wir damals aktiv und begannen mit den Vorbereitungen für dieses außergewöhnliche Ereignis. Auswahl des richtigen Termins, Vorbereiten und Verteilen von Flyern, Ausweichen auf eine Sporthalle, die sich nicht im Umbau befindet, Buchen eines geeigneten Hotels für Sensei Chees und last but not least das Mobilisieren von tatkräftigen Helfern und Teilnehmern.

 

Nach mehreren Wochen hatten wir das Gefühl an alles gedacht, alles in die Wege geleitet zu haben. Der große Tag konnte kommen.       Und plötzlich… CORONA!

Das hatten wir nicht auf der Rechnung.

 

Um uns herum wurde eine Großveranstaltung nach der nächsten abgesagt. Es betraf Fußballspiele, Konzerte und Versammlungen. Zunächst alles über 1000 Teilnehmern, doch diese Zahl verringerte sich von Tag zu Tag. Nach Rücksprache mit Sensei Julian Chees und der Stadt Recklinghausen entschlossen wir uns am Freitagabend, den 13. März, dazu den Lehrgang stattfinden zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Regeln noch nicht so restriktiv. Unser Lehrgang galt noch als durchführbar. Das allgemeine Unsicherheitsgefühl, das diese Entscheidung dennoch begleitete offenbarte sich schließlich am nächsten Morgen in der Zahl der anwesenden Helfer und Teilnehmer des Lehrganges.
 

17 Teilnehmer, die sich vorsichtig und kontaktlos begrüßten (Kontakt mit den Füßen war erlaubt). Seife und Desinfektionsmittel waren immer griffbereit, und Corona blieb in den Köpfen den ganzen Tag eine sehr präsente Begleiterscheinung.

Trotzdem habe ich keinen Teilnehmer getroffen, der es bedauert hat diesen Tag in unserem Dojo in der Maristenschule verbracht zu haben.

 

Es begann mit der ersten Einheit der Weiß- bis Grüngurte. Sensei Chees brachte den 6 Teilnehmern zunächst wesentliche Grundzüge im Karate näher. Begrüßung, Etikette, innere Haltung und -nicht zu vergessen- Freude an Bewegung und Gymnastik bevor er die Techniken und Abläufe der unteren Heian-Katas vertiefte.

 

Die zweite Einheit, Violett bis Schwarz, stand ganz im Zeichen der Meisterkata Gojushiho Dai. Ihr Name bedeutet 54 Schritte [Groß]. Sie gilt als sehr anspruchsvoll und belastet und trainiert mit dem Stand Nekoashi dachi (Katzenfußstellung) besonders das linke Bein.

Bevor Sensei Funakoshi sie umbenannte, hieß sie Hotaku („Spechtklopfen“), da die Bewegungen den Klopfbewegungen eines Spechtes ähnelten.

Sensei Chees gelang es sehr gut uns Teilnehmern die Kata in einzelnen Sequenzen zu vermitteln und daraus letztendlich ein Gesamtbild zu erarbeiten. Auch die Aufwärmgymnastik hatte er auf die Kata abgestimmt. Er gab viele Tipps und betonte zudem wie wichtig gegenseitiges Vertrauen und Tapferkeit gepaart mit Vernunft in Zeiten von Corona ist.

 

Nach einer stärkenden Mittagspause folgte in der dritten Einheit für die Weiß- bis Grüngurte ein intensiveres Training der Heian Katas. Insbesondere für Esra und Yefim stieg mit dem Üben der Heian Yondan die Anspannung da der Lehrgangstag zugleich auch ihr Prüfungstag zum  Violettgurt werden sollte.

 

Im Zentrum der vierten Einheit für die Violett- bis Schwarzgurte standen schließlich Partnerübungen (Kata Bunkai) mit jeweils einem oder zwei Partnern. Ohne Kontakt, ohne Berührungen, mit viel Abstand und noch mehr Hüfte. Der Partner diente mit seinem Angriff quasi nur als Impuls für die folgende Abwehr und den Konter, alles andere spielte sich im Kopf ab.

 

Für 11 der 17 Teilnehmer war um 17:30 dieser außergewöhnlich lehr- und abwechslungsreiche Lehrgang beendet, aber die übrigen 6 hatten nun noch die letzte Herausforderung dieses Tages zu bestehen: die Prüfung zum nächsten Gürtelgrad.

Diese meisterten Yefim (Violett), Esra (Violett), Harald (Braun, 3. Kyu) und Alexander (Braun, 1. Kyu) aus unserem Dojo aufgrund ihrer intensiven Trainingsvorbereitung sehr gut. Herzlichen Glückwunsch zu Eurer bestandenen Prüfung!

Weiterhin gratulieren wir David und Ralf aus Münster. Auch sie konnten die Prüfung zum 1. Kyu ablegen und bestehen!

Wir bedanken uns bei Chees Sensei für seinen Besuch und diesen tollen Lehrgang. Wir sind sehr froh, dass er noch stattfinden konnte. Weiterhin bedanken wir uns bei allen Teilnehmern und Helfern für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung. Danke, Björn, für die tollen Fotos!

 

Foto: alle Teilnehmer mit Sensei Julian Chees

Fotoserien zu der Meldung


Lehrgang mit Julian Chees (23. 03. 2020)

Lehrgang mit Julian Chees